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auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft Waldrach. Die Pfarreiengemeinschaft Waldrach ist der Zusammenschluss von zwölf Pfarreien im Ruwertal, dem Vorderen Hochwald und dem Pluwiger Ländchen.

Das Leben in den Gemeinden wird geprägt von vielerlei Aktivitäten und Gruppen. Dieses Gemeindeleben ist ohne die vielen ehrenamtlich Tätigen nicht denkbar.

 
Auch für Sie ist in dieser Pfarreiengemeinschaft sicher ein guter Platz!

Pfarrer Ralf-Matthias Willmes

 


 Geistliches Wort (aus dem Pfarrbrief Nr. 2/2019)

Zwischenzeit

Die nächsten Wochen scheinen eine Art Zwischenzeit zu sein: Die Weihnachtszeit liegt schon wieder eine Weile zurück und die Fastenzeit fängt erst in ein paar Wochen an. Die kommenden Tage, sie liegen irgendwie zwischen Winterstarre und Frühlingserwachen. In diesen Wochen „dazwischen“ feiern viele Menschen Karneval, Fastnacht, Fasching, wie auch immer Sie es nennen mögen.

Im Vordergrund steht dabei sicherlich die ausgelassene und frohe Stimmung, in der es möglich ist, frei heraus in ein Kostüm, eine Rolle zu schlüpfen und ganz darin aufzugehen. Doch an der Lautstärke und der Albernheit dieser Wochen scheiden sich manchmal die Geister. Einige sehnen die „fünfte Jahreszeit“ herbei und freuen sich, dass es endlich losgeht. Anderen ist das alles zu viel, zu laut oder zu oberflächlich…

Bei aller Ausgelassenheit kann diese Zeit aber auch für etwas viel Tieferes stehen. Denn damit verbunden ist sicher bei manchen Narren der verborgene Wunsch, es möge im Leben insgesamt ganz anders zugehen: freier, fröhlicher, leichter. Genauer betrachtet sind die kommenden Wochen nicht nur bunt, laut und schrill, sondern sie bieten auch den Raum, noch einmal nach uns selbst zu schauen. So wie der Narr auf dem Bild. Einerseits ist er bunt verkleidet und bringt womöglich Menschen zum Lachen. Andererseits hat er auch eine nachdenkliche Seite: Er hält sich und anderen Menschen den Spiegel vor, beobachtet mit seinen Augen genau, was um ihn und in ihm geschieht. Seinen Finger drückt er an den Mund, als wollte er in allem Getöse dazu mahnen, nicht die tieferen Wahrheiten des Lebens oder die eigenen Bedürfnisse zu vergessen.

So drückt sich in mancher Verkleidung vielleicht eine verborgene Sehnsucht aus – nicht nach wahllosen Entscheidungsmöglichkeiten, sondern nach echter, innerer Freiheit – nicht nach oberflächlichem Spaß, sondern nach echter Herzensfreude – nicht nach billiger Verdrängung, sondern danach, wirklich gesehen und verstanden zu werden

Verkleidung und Maskierung finden sich nicht nur in der fünften Jahreszeit. Die allermeisten Menschen, so glaube ich, leben im Alltag zu einem guten Teil mit Verkleidungen. Es sind verschiedene Gesichter, die wir alle in uns zu tragen scheinen; manche zeigen wir gern, andere weniger gern. Freundliche und unfreundliche, fröhliche und traurige, mutlose und hoffende, fragend-zweifelnde und sichere Seiten in uns…

Psalm 139 scheint von diesem Phänomen zu wissen:

„HERR, du hast mich erforscht und kennst mich… Du bist vertraut mit all meinen Wegen… Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz, prüfe mich und erkenne meine Gedanken!“

Kommen Sie gut durch diese „Zwischenzeit“.

 

Ihr Patric Schützeichel