Datum: Mittwoch, 18. Oktober 2017

auf der Homepage der Pfarreiengemeinschaft Waldrach. Die Pfarreiengemeinschaft Waldrach ist der Zusammenschluss von zwölf Pfarreien im Ruwertal, dem Vorderen Hochwald und dem Pluwiger Ländchen.

Das Leben in den Gemeinden wird geprägt von vielerlei Aktivitäten und Gruppen. Dieses Gemeindeleben ist ohne die vielen ehrenamtlich Tätigen nicht denkbar.

 
Auch für Sie ist in dieser Pfarreiengemeinschaft sicher ein guter Platz!

Pfarrer Ralf-Matthias Willmes

 


Geistliches Wort ( aus dem Pfarrbrief Nr. 8/2017 )
Modesta
Die Zeit schreitet voran. Wenn dieser Pfarrbrief durch seinen Nachfolger ersetzt wird, liegt Allerheiligen und Allerseelen schon hinter uns. Wie jedes Jahr werden wir auch in diesem Jahr die Gräber unserer Familien schmücken und besuchen. Natürlich erinnern wir uns das ganze Jahr über an sie, der Faden kann nicht reißen zwischen dieser Welt und der anderen von der wir so wenig wissen und soviel erhoffen, aber es ist gut, dass es diese besonderen Tage gibt. Ein besonderer Tag für die Gemeinschaft San Egidio in Rom ist der 31. Januar. An diesem Tag im Jahr 1983 starb Modesta Valentini am Bahnhof Termini in Rom. Mit 71 Jahren. Sie wird nicht die einzige gewesen sein, die in diesem Alter und dieser Stadt gestorben ist. Aber wie sie gestorben ist, das ist erschreckend. Modesta Valenti war eine der vielen Obdachlosen in den Straßen Roms. Sie war krank, und an diesem Januartag brach sie am Bahnhof zusammen. Man rief einen Rettungswagen. Aber die Sanitäter weigerten sich Modesta mitzunehmen, da sie ihnen zu schmutzig war. Sie ließen sie liegen und fuhren davon. Wenig später riefen Leute erneut die Notrufzentrale an, und eine zweite Ambulanz traf am Bahnhof ein, und das Gleiche geschah. Man weigerte sich die Frau zu transportieren, weil sie auch diesen Rettungsassistenten zu schmutzig war. Modesta blieb liegen und starb. Auf der Straße vor dem Bahnhof. Heute erinnert eine Bronzetafel an Modesta in der Via Dandolo in Rom. Die Gemeinschaft San Egidio hat dort ein Haus und kümmert sich um Obdachlose. Zur Gemeinschaft gehören Christen, die ganz normalen Berufen nachgehen, Familie haben und sich darüber hinaus sozial engagieren. Am 31. Januar wird an Modesta Valenti erinnert. Mit einem Gottesdienst und einem anschließenden festlichen Essen. Dabei werden alle im letzten Jahr verstorbenen Obdachlosen mit Namen genannt, und es wird für sie gebetet. Einer, der seit Jahren auf der Straße lebt, hat gesagt: „Gut zu wissen, dass nach meinem Tod doch noch jemand an mich denken wird und mein Name noch einmal genannt wird…“ Ich finde es großartig wie die Christen von San Egidio mit den Obdachlosen umgehen. Nicht von oben herab, nicht mit einer gnädigen Mitleidsnummer, sondern sie begegnen ihnen auf Augenhöhe, geben ihnen etwas von ihrer Würde zurück, nennen sie „amici“, also Freunde. An Weihnachten räumen sie ihre Kirchen leer und feiern mit den amici an festlichen Tafeln. Einladungskarten werden verteilt, es gibt eine Menükarte und ein weihnachtliches Festessen. Oder sie packen einen kleinen Weihnachtsbaum, kleine Geschenke und etwas zu essen ein und nutzen den Heiligen Abend um Obdachlose in den Bahnhöfen zu besuchen - um mit ihnen zu singen, zu beten, zu essen und zu lachen. Vor einigen Jahren habe ich bei solch einem anderen Feiern einmal mithelfen dürfen. Es war ein unvergessliches Weihnachtserlebnis. Und es war ein Beweis, dass es möglich ist, nach dem Evangelium leben zu können. Oder es zumindest zu versuchen.
Ihnen und Ihren Familien und allen, die zu Ihnen gehören Gottes Rückenwind und Segen für die kommenden Wochen!
Ihr Mons. Stephan Wahl

 

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