Datum: Donnerstag, 18. Januar 2018

Auch in der Waldracher Kirche St. Laurentius wird die Krippe am Ende des linken Seitenschiffes aufgebaut. Dort befindet sich der barocke Marienaltar, der für die Weihnachtszeit weitgehend verdeckt wird. Ein Krippengebäude verkleidet die früher aus einem Stoffvorhang bestehende linke Seite. Bei dem Gebäude handelt es sich allerdings nur um die angedeutete Front eines zweistöckigen Hauses im Stil einer orientalischen Ruinenkrippe. Daran ist eine Art Verschlag angebaut, bestehend aus einem windigen Dach aus wenigen Brettern, die auf einem von einem Säulenstumpf getragenen Balken aufliegen. Der Baustil lässt die prägende „Handschrift“ des Klüsserather Krippenvereins sofort erkennen. Türen und Fenster des mannshohen Gebäudes sind abweisend verschlossen, den einzigen Unterschlupf bietet die genannte Überdachung. Christoph Ambré und Karl-Heinz Bechtel, beide aktive Mitglieder der „Klüsserather Krippenfreunde e.V.“ entwarfen zwischen 2010 und 2012 diese Erweiterung der vorhandenen Krippe und erbauten sie mit weiteren Helfern. Besonders wichtig war eine fachmännische Unterkonstruktion (Karl-Josef Nellinger), die auch den kunstvoll bemalten Hintergrund trägt und so den Raum um den  Marienaltar verkleidet. Die Vorgängerkrippe war eine Wurzelkrippe, die vor der ausdrucksstarken Hintergrundmalerei mit einer Grotte aufgebaut wurde. Dieses großformatige Bild wurde um 1980 von Pastor Rudolf Laub (+ 2013) dem befreundeten Krippenbauer, -maler und -sammler Karl Heindl (+ 2016) aus St. Wendel in Auftrag gegeben.

Die prächtigen, etwa 80 cm hohen Krippenfiguren stammen aus der Entstehungszeit der neugotischen Kirche (1904-1906) und passen gut zu ihrer Innenausstattung, darunter mit dem Hochaltar und der Kanzel zwei herausragende Objekte aus der Werkstatt der Firma „Kirchen-Mettler“ (Johann Mettler, Morbach). Durch eine gelungene Restaurierung (um 1985) wird ihre große künstlerische Aussagekraft noch mehr hervorgehoben. Die Gestaltung der Personen zeigt sehr verschiedene Reaktionen auf die Botschaft des Engels und ganz individuelle, einprägsame Charaktere. Maria erscheint in den um 1900 üblichen Farben ihrer Bekleidung (rotes Kleid, blauer Umhang, weißes Kopftuch), aber ganz ohne die damals häufig zu findende Körperhaltung der frommen Beterin. Sie ist eine Frau aus dem Dorf, sie hat die Hände schlicht im Schoß gefaltet und blickt mütterlich besorgt und interessiert auf das Neugeborene, als wolle sie sagen „Kind, was kommt hier auf uns zu?“ Der stehende Josef ist hier kein junger Mann mehr, aber auch kein Greis, wie ihn zahlreiche Krippenfiguren dieser Zeit – aus theologischen Gründen – darstellen. Auch er beugt sich über das Kind, die rechte Hand sorgend erhoben, als wolle er alles Böse von ihm fernhalten. Die Hirten dagegen knien vor dem Kind oder haben ehrfürchtig den Hut gezogen. Von den Königen kniet der jüngste, die beiden anderen stehen mehr oder weniger gebückt und reichen ihre Gaben. Ungewöhnlich für die damalige Zeit ist die Figur einer jungen Mutter mit ihrer Tochter, die sich zwar dezent im Hintergrund halten, aber die farbliche Fassung der Blockfigur passt zur Marienfigur. Die Frau trägt als Bäuerin ein schlichtes blaues Kleid und ein weißes Kopftuch. Das kleine Mädchen in einem auffallenden roten Kleid breitet voll staunender Freude die Hände aus, in einer Haltung, die das Jesuskind widerspiegelt. Die ausgefallenen Figuren bereicherten schon mehrfach die große Krippenausstellung „Ars Krippana“ an der deutsch-belgischen Grenze bei Losheim. Seit fünf Jahren sind sie nun Teil eines in sich stimmigen Krippen-Ensembles, das einprägsam die Geburtsgeschichte von Bethlehem illustriert und ausdeutet.

ELMAR P.  ITTENBACH

(Auszug aus: "Sage, wo ist Bethlehem? Krippen an Mosel, Saar und Ruwer", Kreisjahrbuch 2018 Trier-Saarburg)

Siehe auch Bericht und Bilder zur Krippenerweiterung 2012