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(Text: L. Schuh)

Die Besiedlung des Trierer Landes, die zur Zeit der Kelten wohl nur sporadisch war, erfuhr mit der Eroberung und Besitznahme durch die Römer einen enormen Aufschwung. Mit Beendigung der kriegerischen Auseinandersetzungen entstanden nun auf dem Lande mehr und mehr römische Hofgüter und Villen und damit gleichzeitig auch dörfliche Siedlungen, insbesondere in den Tälern von Mosel, Saar und Ruwer, wo dann zunehmend der Weinbau begann und intensiv betrieben wurde.

Mit Beginn der Christianisierung durch die ersten Trierer Bischöfe Eucharius, Valerius und Maternus erfolgte eine Neuorientierung des Gemeinwesens. Mit der Gründung der Klöster und Abteien setzte nun eine intensive seelsorgliche Betreuung ein, die dann nach und nach alle bestehenden Dörfer und Siedlungen erfasste.

Bereits im 6.Jahrhundert war Waldrach im Besitz des Bischofs von Trier und zu diesem Zeitpunkt wohl auch eine Seelsorgestelle oder Pfarrei. In dem Geschichtsbuch „Trier im Mittelalter“ (1996) heißt es auf Seite 33: „...war die bischöfliche Besitzsphäre im 6. Jahrhundert schon beträchtlich. Die Bischofskirche besaß in unmittelbarer Nähe der großen Vorstadtpfarreien die Orte Zewen, Kordel, Ehrang und Waldrach.“
Daraus kann man wohl entnehmen, dass Waldrach zu den ältesten Pfarreien des Bistums Trier zählt. Aufgrund der Ersterwähnung "Waltrach mit der Kirche" in der Eckbert-Urkunde aus dem Jahre 981, konnte die Pfarrei Waldrach im Jahre 1981 ihre 1000-Jahrfeier begehen.

Der Ortsname Waldrach entwickelte sich von „Valeriacum“ (bis vor 981) und ab 981 über „Waltrach“, „Valtrich“ (1411), „Waltrich“ (1646) und ab 1841 erstmals auf „Waldrach“.

 

 


Die Filiale Kasel

Der Ort Kasel, erstmals 973 urkundlich erwähnt, war von Anfang an seelsorglich eine Filiale der Pfarrei Waldrach. Der Ort Kasel wurde 973 mit „Casella“, 1220 mit „Caselle“, 1283 mit „Casele“, 1386 mit „Casel“ und ab 1933 mit „Kasel“ benannt und geschrieben.

Seit den Anfängen war das Paulin-Stift in Trier mit der Seelsorge in den Dörfern Waldrach und Kasel beauftragt und erhielt dafür vom Bischof von Trier dauernde Zehntrechte. Im Jahre 1256 wird für Waldrach erstmals ein Ortspfarrer mit Namen Henricus (Heinrich) erwähnt, was auf eine selbstständige Pfarrei schließen lässt. Bis zur Gegenwart sind insgesamt 30 Pfarrer bzw. Pfarrvertreter und 6 Kapläne namentlich bekannt, die nach 1256 hier tätig waren.

 


Zunehmend Klosterbesitz in Kasel

Zur Zeit der Ersterwähnung von Kasel (973) hatte das Benediktiner-Kloster St. Irminen in Oeren
zu Trier bereits wesentliche Besitzungen in „Casella“. Später erwarben noch andere Trierer Klöster Güter zu Kasel, insbesondere Weinberge, die insgesamt dem Ort Kasel - obwohl immer Filiale der Pfarrei Waldrach (bis 1940) - seelsorglich zu einer gewissen Eigenständigkeit bzw. Sonderstellung verhalfen. In einigen Visitationsberichten wurden die Kaseler Bewohner jeweils an ihre Pflichten gegenüber der Mutterpfarrei Waldrach erinnert.


Der Erzbischof von Trier Grundherr in Waldrach

Der Erzbischof von Trier, als Grundherr, besaß bereits im Jahre 1212 erhebliche Besitzungen und Güter in Waldrach (siehe Geschichte der Pfarrei Waldrach „981 - 1981 St.Laurentius Waldrach“, von Werner Schuhn), u. a. 19 1/2 Höfe (Mansen), ein Pergamenthof (zur Herstellung von Pergament aus Schafshäuten als Beschreibmaterial für Urkunden), eine Mühle sowie 15 Weinberge (Pichtere). Außerdem gab es hier einen Herrenhof (wohl in St. Liepert), der aber dem Domkapitel gehörte.


Hochgericht in Waldrach

Bis zur franz. Revolution (1794) war Waldrach Sitz des dem Trierer Kurfürsten unterstellten Hochgerichts (zur Aburteilung von Schwerverbrechen) mit den Dörfern: Waldrach, Kasel, Eitelsbach, Thomm, Morscheid, Osburg, Riveris, Farschweiler, Schöndorf, Bonerath, Hinzenburg, Gutweiler, Irsch, Hockweiler und Filsch. Außerdem gab es hier ein Schöffengericht (zur Ahndung niederer Vergehen), sowie zeitweilig auch ein Grundgericht (für Eigentumsangelegenheiten) und ein Mittelgericht (zur Klärung von Erb- und Vermögensstreitigkeiten).

Neben dem Dorf-Meier, den es in jedem Ort gab, war Waldrach auch Sitz des vom Kurfürsten jeweils eingesetzten Schultheißen bzw. Pfleg- oder Hochgerichts-Meiers.


Intensiver Weinbau im Ruwertal

Eine der wichtigsten Erwerbsquellen hier im Ruwertal war wohl der Weinbau, der seit der Römerzeit und später durch die Trierer Klöster sehr intensiv betrieben wurde. Dies gilt besonders für Kasel, wo der größte Teil der Weinberge und Ländereien im Besitz dieser Klöster waren, die den Ruwerwein weithin bekannt gemacht haben. In Waldrach waren dagegen der Weinbergs- und Landbesitz - außer den Anteilen des Kurfürsten, der „PP.Societas in Seminario Sti. Lamberti“ in Trier und des Pfarrgutes (für den Pfarrer) - ausschließlich in privatem Besitz. Laut einer amtlichen Landmaß aus dem Jahre 1721 gab es in Waldrach 375.973 und in Kasel 357.063 Rebstöcke.


Mühlen im Ruwertal

Mehrere Mühlen prägten seit der Römerzeit das Bild des Ruwertales. Neben den Getreidemühlen und je einem Pergamenthof in Waldrach und Kasel, gab es im 14./15. Jahrhundert in Waldrach ein Erzbergwerk zur Erzeugung von Eisen und anderen Metallen. Dieses Erzbergwerk, das im Besitz des Trierer Kurfürsten war, bestand aus der „Erzmühle“ (Erzwäsche), der „Schmelzmühle“ (Eisenschmelze) und der „Schleifmühle“ (Eisenbearbeitung). Zur Zeit des Erzbergwerkes gab es in der Nähe der Schleifmühle (in Pätsch) eine separate Wohnsiedlung, in der die vom Kurfürsten aus Lothringen, Luxemburg und Belgien angeworbenen Facharbeiter wohnten.

Mit Beendigung der Eisenerzeugung im 15. Jahrhundert (wegen Erschöpfung des Erzvorkommens) siedelten diese Facharbeiter dann im Hochwald, wo neue Bergwerke entstanden. Die hiesige Siedlung verfiel mehr und mehr und aus der Schmelz- und Schleifmühle wurden später Getreidemühlen.

Lediglich die „Erzmühle“, ursprünglich Pergamenthof (1212), wurde vom Kurfürsten im Jahre 1486 auf 20 Jahre als „Walkmühle“ (zur Tuch- und Leinenherstellung) verpachtet. Danach, wohl ab 1506, ließ der Kurfürst diese Mühle zu einer „Papiermühle“, der ersten im Kurfürstentum Trier, umbauen. Hier wurde nun wertvolles Papier in Handarbeit hergestellt, das dann in vielen Schreibstuben und später auch in Druckereien Verwendung fand. Während des 30-jährigen Krieges, ca. 1639, wurde die Papiermühle zerstört und damit die Papierherstellung beendet. Das Gebäude wurde später wohl als Wohnhaus umgebaut und - als „Welschmühle“ bekannt - 1951 wegen Baufälligkeit leider abgerissen. Waldracher Papier, mit den typischen Waldracher Wasserzeichen, ist heute noch in alten Büchern des Priesterseminars in Trier vorhanden.


Auswirkungen der Französchen Revolution

Infolge der Französischen Revolution und Besetzung des Trierer Landes durch die Franzosen von 1794 bis 1814, vollzog sich eine grundlegende Änderung des kirchlichen und weltlichen Lebens. Mit Beendigung des Kurfürstentums Trier erfolgte nun die Auflösung vieler kirchlicher Einrichtungen und Klöster. Viele Besitzungen wurden nun öffentlich versteigert und kamen so in private Hände. Insbesondere in Kasel, mit überwiegend klösterlichem Besitz, gelangten nun Weinberge und Ländereien an fremde Gutsbesitzer. In Waldrach sind nur die Besitzungen des Kurfürsten, des St.Lamberti-Seminars und des Paulin-Stiftes versteigert worden, während die Besitzungen des Pfarrgutes erhalten blieben.

Eine Neuordnung des kirchlichen und staatlichen Gemeinwesens nach 1814, setzte nur zögernd ein und brachte leider immer noch keine wesentliche Besserung des Lebensstandards der Bevölkerung. Die Folge war, dass nach und nach viele Bewohner, insbesondere in den Jahren von 1860 bis 1880, nach Amerika/USA auswanderten, weil sie dort bessere Lebensmöglichkeiten erhofften (in Waldrach und Kasel rund 100 Personen). Ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte erst nach 1880 mit dem Bau der Eisenbahnen und Straßen ein, als Voraussetzung für die nun beginnende Industrialisierung.

Doch die schlimmsten Rückschläge und menschlichen Schicksale standen mit den beiden Weltkriegen 1914/1918 und 1939/1945, die grundlegende Änderungen in allen Lebensbereichen zur Folge hatten, noch bevor.