Datum: Mittwoch, 22. November 2017

Lieber Leser,

auf den rechts aufgeführten Seiten geben wir Ihnen einen Einblick in die Geschichte unserer Pfarrei. Die Kurzchronik wurde, mit freundlicher Genehmigung des Autors Matthias Kordel, Ruwer, aus der von ihm herausgegebenen Chronik "Ruwer und Eitelsbach, zwei Dörfer im Spiegel ihrer Geschichte", entnommen.


Trier galt schon im frühen vierten Jahrhundert als christliche Kaiserresidenz. Auf Grund der Bischöfe Agritius, Maximinus und Paulinus, den Kirchenlehrer Athanasius, Martinus und später Bonifatius kann man davon ausgehen, dass es schon sehr früh Christen-Gemeinden in unserer Region gab. Die Anfänge kirchlichen Lebens in Ruwer und Eitelsbach liegen im Dunkel der Geschichte.
Fest steht, dass Ruwer kirchlich seit dem Mittelalter eine zweigeteilte Gemeinde war. Diese beiden Ortschaften galten bis ins Jahr 1930 als zwei politisch getrennte Dörfer, deren Grenze der Ruwerbach war. Der Teil auf der rechten Seite des Flüsschen nannte sich „Ruwer-Paulin“ und linksseitig „Ruwer-Maximin“. Diese Bezeichnungen standen im Zusammenhang mit den komplizierten Besitzverhältnissen. Ruwer-Paulin gehörte zur Probstei des Stifts St. Paulin, Ruwer-Maximin zur freien Reichsabtei St. Maximin und Eitelsbach zum Erzstift Trier.

Vom 16. – 18. Jahrhundert traf viel Leid die beiden Gemeinden. Zu den Zerstörungen durch Kriege kamen noch die Auswirkungen der Hexenprozesse hinzu und mit der Pest wütete in dieser Zeit die schrecklichste Geisel der Menschheit. Einem Gelübde zufolge soll die heute immer noch jährlich stattfindende Wallfahrt nach Klausen der Auslöser gewesen sein.

Allein von 1568 – 1648 tobte der Niederländisch-Spanische Krieg, von 1609 – 1666 der Jüliche Erbfolgekrieg, von 1618 – 1648 der Dreißigjährige Krieg, von der Mitte bis zum Ende des Jahrhunderts folgten die Reunionskriege Ludwig XIV., von 1701 - 1714 der Spanische und von 1733 – 1738 der Polnische Erbfolgekrieg. Unter den mordenden und plündernden Heerscharen litten die Bewohner der Orte sehr. Die zerlumpten und hungernden Soldaten raubten alles, was ihnen in die Hände fiel. Dabei besaßen die Menschen hier kaum das Nötigste, um selbst zu überleben. Katastrophale Klimaverhältnisse verschlimmerten die Situation, führten zu Missernten und lösten Hungersnöte aus, die letzte im Jahr 1746.


Nach dieser katstrophalen Aera siedelten die Pauliner von den Höhen ins Tal und errichteten 1754 im heutigen Bereich eine schöne Barockkirche. Die Feiserkirche stand auf dem Gelände ums „Kreuzchen“ und Grabungen deuten auf ein sehr hohes Alter dieser ersten Pfarrkirche hin. Sie wurde später abgerissen und alles daraus verkauft, was sich zu Geld machen ließ.

Hohe Kosten mögen die Bevölkerung von Ruwer-Maximin abgeschreckt haben, eine neue, eigenständige irche zu errichten. Und so feierten die Gläubigen beider Gemeinden nach Fertigstellung erstmals in Ruwer-Paulin gemeinsam den Gottesdienst. Zumindest kirchlich, also „der facto“, vollzogen die Bürger mitten im 18. Jh. die Zusammenlegung der zwei Ortsteile, „de jur“ aber erst 1930.


1855 kam Pfarrer Philipp Diel nach Ruwer. Die Pfarrgemeinde wuchs, und täglich hatte Diel die Enge und Reparaturbedürftigkeit des Gotteshauses vor Augen. Schon bald wurde der Ruf nach einem Neubau immer lauter. Mit einem Dringlichkeitsschreiben an die Bischöfliche Behörde machte Pfarrer Diel 1861 auf die Notwendigkeit der Maßnahme aufmerksam. Diel erstellte selbst den ersten Grundriß. 1866 legte der beauftragte Architekten Himpler aus Wallerfangen seine Entwürfe vor. Stararchitekt Wirtz aus Köln hat die Pläne umgearbeitet und das Ergebnis kann sich heute immer noch sehen lassen.
Das im neoromanischen Stil errichtete sakrale Bauwerk, ist mit seinen drei Längsschiffen durch deren unterschiedliche Höhen zwischen Mittel- und Seitenschiff  rhythmisch gut gelungen. Zusammen mit dem Querschiff vermittelt die Kreuzform des Grundrisses Weite und Offenheit. Und in den drei Apsiden sammelt sich der Blick des Betrachters. 
Zur letzten Messe versammelte Diel am 9. September 1869 noch einmal die Gläubigen in der alten Kirche. Während der Bauarbeiten fand der Sonntagsgottesdienst in Eitelsbach und an Werktagen in der Klosterkapelle statt, an die man 1870 schnell eine Notkirche anbaute.
Keine Auswirkungen auf die Bauarbeiten hatte der Krieg 1870. Es ging zügig voran und nach verhältnismäßig kurzer Bauzeit benedizierte am 25. Juni 1871 Dechant Schue das Gotteshaus.
Ein so großartiges Bauwerk bedarf ständiger Unterhaltungsarbeiten und so gehören Konservierung, Restaurierung, Sanierung und Renovierung dazu, wie das Amen nach dem Gebet.

Seine schlimmsten Stunden erlebte der Bau im Bombenhagel Heiligabend 1944 und während den Messen des Weihnachtsfestes, wo der Kreuzungspunkt beider Nachschublinien (Reichsbahn und Moselbahn) unterbunden werden sollten. Schon bald galt es die Kriegsschäden wieder zu beseitigen, wobei die Kirche außer den Fenstern keine größeren Zerstörungen aufwies. Viele Jahre wartete die Gemeinde auf zwei neue Glocken, weil man die alten im 2.Weltkrieg zu Waffen verarbeitet hatte. Mit der Weihe am 25. November 1951 war das Geläut wieder vollständig.


Im Juli 1960 begann unter der Leitung des Architekten Peter Böhr die Neugestaltung der Altarinsel im Chorraum, die Taufkapelle in der rechten Apsis, die alte Empore wurde durch eine freitragende Konstruktion ersetzt und eine neue Ausmalung rundeten die Restaurierungsarbeiten ab. Zwei Künstler, Jakob Schwarzkopf und Rudolf Schillings gestalteten neue Fenster. Der sehr schöne Tabernakel kam von dem Goldschmied Schwerdt aus Aachen.
1965 fertigte Bildhauer Klaus Föhr den Kreuzweg für die Pfarrkirche St. Clemens, Ruwer.

Der Kreuzweg links Der Kreuzweg rechts

1972 schuf Willi Hahn den Sandsteinaltar zur Zelebration „versus populum“. Als Motiv „Christus in der Kelter“. Diese Symbolik ist an der Mosel schon im 15. Jh. bekannt. Mit dem Tabernakelaltar und den drei zusammengefaßten Gemälden wurde dann die Umgestaltung des Chorraumes zu einer Einheit.
Bei den Renovierungsmaßnahmen im Jahre 2009 wurde der Chorraum 37 Jahre später dann dem neuen Konzept angepasst.

Zelebrationsaltar und dahinter der alte Hochaltar mit Tabernakel Der Altar im neu gestalteten Altarraum

Pfarrer Heribert Hansen (1983 – 2003) kämpfte nicht nur mit den Unbillen der Natur, sondern konnte nach verschiedenen wiederum notwendigen Erhaltungsarbeiten seinem Nachfolger und jetzigen Pfarrer Dr. Rainer Justen ein gut erhaltenes Gotteshaus übergeben.


Unter den Kunstwerken stellt die 80 cm hohe gotische Madonna (bis zur Renovierung im Jahre 2009 am vorderen rechten Vierungspfeiler zu finden) ein besonderes Kleinod dar u. datiert in die zweite Hälfte des 14. Jh. Unser wertvolles Kleinod hat nun einen neuen Ehrenplatz. In einer luftigen Stehle steht die Mutter Gottes mit Jesuskind in der Mitte des Altarraums direkt unter dem Christusfenster.

 

Die gotische Madonna

Die Altarbilder aus dem alten Hochaltar haben auch einen neuen Platz gefunden. Sie erstrahlen in neuem Glanz an der linken Vierungswand direkt über dem barocken Beichtstuhl.

Im mittleren Altarbild sieht man den Hl. Klemens, einem Gemälde des 18. Jh. und stand in der früheren Barockkirche. Die Inschrift im Chronogramm nennt Franz Konrad Meckel als Stifter. Der heilige Klemens steht im päpstlichem Gewande, zu seinen Füßen der Anker als  Erkennungsmerkmal des Heiligen. Etwas kleiner ein Schiff auf dem 2 Männer versuchen, den mit Anker beschwerten Papst Klemens I. ins Meer zu stürzen. Am linken Bildrand ein Engel mit Tiara, dem Zeichen päpstlicher Würde u. einem Palmzweig, als Zeichen des Martyriums. 
Das linke der beiden kleineren Ölbilder zeigt den Franziskaner und Wanderprediger Josef von Coupertino und rechts Ludwig von Toulouse, einem Mitglied der französischen Bourbonen-Familie. Beide sind vielverehrte Heilige des 18. Jahrhundert.

Ein Beuroner Kunstwerk des 19. Jh. ziert
mit dem großen Kreuz die rechte Vierungswand.

An der linken Vierungswand steht die Statue des heiligen Josef, der unter Pfarrer Altenhofen aus der Bildhauerwerktstatt Lebensstedt in Kröv angeschafft wurde.

In den Seitenschiffen links stehen die Heiligen Sebastian und Antonius von Padua, rechts Hubertus als Schutzheiliger der Jäger und der Brückenheilige Nepomuk.

Hl. Sebastian Hl. Antonius von Padua
Hl. Nepomuk Hl. Hubertus

 

Das aus dem Jahre 1760 stammende Sandstein-Missionskreuz, hatte seinen ursprünglichen Standort vor der Kirche. Umwelteinflüsse verschlechterten den Zustand und nach gründlicher Renovierung erhielt es in der linken Chorapsis einen neuen und besser geschützten Platz. 

Die wieder gut lesbare Inschrift lautet: „Dises Creutz haben machen lassen zu Ehren des bitteren Leydens und Sterbens Jesu Christi und zum Trost den Armen Seelen im Fegfeuer die Kinter von Richardus Schneider gebürtig aus Schneidersmill in Ruver und Margarete Biver, beyte Eheleute, 13. Septemer 1760“

 


Die 14 Nothelfer Kapelle in EitelsbachIn Kurfürstlicher Zeit waren die Eitelsbacher in St. Michael von der Abtei Maximin im Ortsteil Ruwer Maximin eingepfarrt. Zwar besaß der Ort die im Jahre 1755 erbaute kleine Andachtskapelle zu den 14. Nothelfern, aber außer der sonntäglichen Frühmesse mußte man nach Ruwer. Große Naturkatastrophen führten im frühen 19. Jh. zur Zerstörung der Kapelle. 1848 war die neue Kapelle wieder errichtet. Die Steine hatte man aus dem Kronenberg hinter dem Longen’schen Hause gebrochen und die Gemeindeeingesessenen leisteten Frondienste. Das Bild der vierzehn Nothelfer kam vom Stift Pfalzel. Die Wwe. Adolf stiftete das Vesperbild der schmerzhaften Mutter Gottes. Das Eitelsbacher Vesperbild stammt aus dem 16. Jh und steht in Kopie am linken hinteren Vierungspfeiler, stammt aus dem Trierer Jesuitenkloster und zeigt die schmerzhafte Mutter mit dem entseelten Leib ihres Sohnes auf dem Schoß. Rückseitig ist IHS MA JOS Anno 1525 eingeritzt und gilt als Arbeit vom Niederrhein. Mit einigen Statuen und Fenstern trug der Gutsbesitzer des Karthäuserhofes, Wilhelm Rautenstrauch, zur Ausschmückung des kleinen Gotteshauses bei. Nun mag man sich aus heutiger Sicht fragen, warum ein kleines Dorf, dessen Einwohner nur mit Mühe ihr Leben fristen konnten, ausgerechnet eine neue Kapelle benötigten. Für die Menschen der damaligen Zeit gehörte die Ausübung ihrer Religion genauso zum Leben wie die tägliche Arbeit. Ein eigenes Gotteshaus zu besitzen, war darüber hinaus aber auch eine Frage der dörflichen Identität und der Besuch des Gottesdienstes in Ruwer oder Mertesdorf konnte dies nicht ersetzen. Und so wurde denn trotz größter Armut in Eitelsbach jene schöne, kleine Kapelle gebaut, die es heute noch gibt und erst vor wenigen Jahren notwendigerweise gründlich renoviert wurde.

 

 

Auszüge mit Genehmigung des Autors Matthias Kordel aus der von ihm herausgegebenen Chronik:

„Ruwer und Eitelsbach, zwei Dörfer im Spiegel ihrer Geschichte“. ISBN 3-89890-069-X,

bei Creativ, Silvia Steines, Rheinstraße 14 oder im Buchhandel oder beim Herausgeber zu beziehen.)