Datum: Samstag, 18. November 2017


Nach einer Pause von zwei Jahren, freute ich mich dieses Mal doppelt alte Bekannte zu treffen und neue Leute kennen zu lernen. Getreu dem Motto: „Fahre nicht schneller als dein Schutzengel fliegen kann“ – aber auch nicht langsamer – kamen wir pünktlich um 18.00 Uhr zum Abendessen in St. Thomas an. Schon die Tatsache, dass alle mit dem Essen warteten, bis wir anwesend waren, zeigt die Verbundenheit und gegenseitige Rücksichtnahme welche unser Zusammensein prägt.

Offizieller Beginn war um 19.00 Uhr mit einer ganz besonderen Vorstellrunde. Aufbauend auf einen Text: „Du bist einzigartig. Du bist eigen-artig…" sollten wir neben unseren Namen unsere guten aber auch schlechten Eigenschaften auf ein Blatt schreiben und diese in einer anschließenden Runde den Anderen mitteilen – aber nur jenes, was wir wollten. Keiner muss – aber jeder darf erzählen was ihn bewegt – zuhören garantiert!

In der Bardeler Fastenmeditation vom Samstag heißt es, dass jeder Tag und auch der religiöse Bereich eine gewisse Ordnung braucht um nicht ins Beliebige abzurutschen. Diesen Rahmen bietet uns, neben den Essenszeiten, das Abend- und Morgenlob. Ausgerichtet auf Gott helfen entsprechende Texte und Gebete den Tag zusammenzufassen bzw. geben Ausblick auf das Kommende.

Im ersten Angebot am Samstag ging es auch um Rahmen. Wie fühle ich mich, wenn ich im Rahmen stehe, falle ich aus dem Rahmen, werde ich herausgeschubst, begebe ich mich freiwillig hinaus, wo fühle ich mich wohler usw.

Anschließend wurden die Teile des Rahmens verschoben – es entstand ein Kreuz und anschließend ein Stadttor in dem Zachäus saß. Mit Hilfe von Tüchern und Eglifiguren brachte Ute uns (gekonnt wie immer) die Perikope (Lk 19,1-6) näher. In einer anschließenden stillen Zeit konnten wir mit Hilfe von Impulsfragen die Zachäus Geschichte noch vertiefen.

Doch auch die Bewegung kommt nicht zu kurz. Ein meditativer Tanz beim Morgenlob oder eine Körperübung vor dem Bibeltext gehören genauso dazu wie der Kreuzweg nach dem Kaffee. Der Bilderrahmen war dabei als wir einmal quer durch den Ort gingen und an verschiedenen Stationen dem Leiden und Sterben Christi gedachten. Jesus hat halt immer wieder den Rahmen der damaligen Zeit gesprengt und macht es heute auch noch.

Und Gott meinte es auch wettermäßig gut mit uns. Es blieb trocken, bis wir alle wieder im Inneren von St. Thomas waren, wo wir zum Abschluss noch spontan vor der Marienstatue im Eingangsbereich stehen blieben und sangen.

Singen ist ein tragendes Element unseres Zusammenseins. Das Gotteslob war unser ständiger Begleiter. Jeder durfte Liedwünsche äußern und  so kamen wir auf eine stattliche Anzahl gesungener Lieder, wobei auch weniger bekannte Melodien und Texte aus dem Gesangbuch als „Singens wert“ eingestuft wurden.

Kreativ sein – auch das ist etwas, das immer dazu gehört. Am Nachmittag hatten wir die Möglichkeit Kerzen zu gestalten oder Bilderrahmen zu bemalen. Nicht verwunderlich ist, dass dabei viele Bäume auf den Kerzen entstanden – das Evangelium wirkt halt nach.

Der Abend ist traditionell dem Film gewidmet, wobei auch Teilnehmer schon mal einen mitbringen.

Und wer nach diesem abwechslungsreichen Programm noch nicht schlafen möchte, trifft sich zum gemütlichen Beisammensein in der Kellerklause. Womit ich natürlich nicht sagen möchte, dass die anderen Begegnungen unangenehm wären. Auch bei den Mahlzeiten – mit immer wechselnden Tischgemeinschaften, entstehen anregende Gespräche.

Der Sonntag geht wie im Fluge vorbei. Morgenlob, ein ausgiebiges Frühstück, Gottesdienst und die Abschlussrunde. Dieses Jahr durften wir verbunden mit guten Wünschen für das kommende Jahr einem Anderen eine Birne und ein Lavendelsäckchen überreichen. Es ist immer eine sehr emotionale Runde, bei der auch schon mal Tränen fließen aber auch darüber braucht sich keiner zu schämen.

Fast länger als das Mittagessen dauert die nachfolgende Verabschiedung. Aber irgendwann müssen wir doch alle zu den Autos gehen und uns auf den Heimweg machen – im Herzen die Hoffnung, dass man im nächsten Jahr wieder dabei ist!

Liebe Ute, lieber Rüdiger, ich möchte mich (und ich denke, ich darf die anderen Teilnehmer einbeziehen) bei euch ganz herzlich bedanken für diese reiche Zeit und die Arbeit, die ihr euch schon seit Jahren mit uns macht!

Danke!

Gertrud Mörsdorf