Datum: Samstag, 18. November 2017

Die Katholische Pfarrkirche St. Martin

 

Der Ort Morscheid thront auf dem der Gemarkungsgröße entsprechenden Höhenrücken zwischen den Bachtälern von Ruwer und Riveris.

Die katholische Pfarrkirche St. Martin besteht aus einer Baugruppe von freistehendem Westturm der Vorgängerkirche und zwei Meter nördlich mit gleich fluchtender Giebelfront 1864-1866 errichtetem Saalbau. Der vermutlich mittelalterliche, sich nach oben verjüngende Turm mit rundbogigen Schallarkaden und jetzt hohem Pyramidenhelm wurde auf den Neubau des Schiffes abgestimmt und überformt. Die Datierung mit 1768 an der rechteckigen Portalrahmung mit gesprengtem Dreieckgiebel bezeichnet eine Erneuerung. Die ehemalige kreuzgratgewölbe Vorhalle ist zur Kapelle mit einer Kreuzigungsgruppe des 19. Jh. umgewidmet.

Der klare Baukubus der Kirche in romanisierenden Formen des Rundbogenstils setzt sich aus einem vierachsigen Schiff und dem eingezogenen, mit getreppten Strebepfeilern versehenen, zweiachsigen und dreiseitig schließenden Chor zusammen. Die Gliederungsformen des Schiffes sind reduziert auf eine Felderung aus Lisenen und Rundbogenfries für die Rundbogenfenster mit Überfanggesims und einbeschriebenen zweibahnigen Fensterteilungen. Entsprechend flächenbetont die Giebelfassade mit Doppellisenen, steigendem Rundbogenfries und Drillingsfenster in Rundbogenblende. Der Portalvorbau ist nachträglich zugefügt.

Der mit einer Spiegeldecke überspannte, große Raum ist auf den über Konsolen kreuzrippengewölbten Chor ausgerichtet. Die neugotischen Steinaltäre sind erhalten. Der dreiteilige, von einer Kreuzigungsgruppe bekrönte und von St. Martin und St. Valentin flankierte Hochaltar fasst Steinreliefs ein (Abendmahl und hl. Drei Könige) und ist mit FEC. N. METZEN 1909 bezeichnet. Die gleichzeitigen Seitenaltäre haben Figurenschmuck in der dreiteiligen Nischenarchitektur; darunter eine Figur des hl. Donatus mit einer Darstellung der Vorgängerkirche am Wappenschild. Die Steintaufe ist neugotisch. Die Kirche ist ein Beispiel für  Anfänge der Neuromanik im Trierer Land, die sich hier in den Schmuckformen ankündigt und sich noch nicht von klassizistischen Bauformen gelöst hat.

Der Standort an der historischen dörflichen Randlage wird durch Grünflächen, den aufgelassenen Kirchhof und den Abstand zur neueren Bebauung überliefert.

 

(aus: Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz Kreis Trier-Saarburg 1994)