Datum: Montag, 20. November 2017

 

 

Erbaut auf einem doppelterrassigen, der Ruwer zu gelegenen erneuerten Mauerbering und beispielhaft in das Landschaftsbild eingefügt, dominiert die individuelle Baugestalt der Kirche, dem hl. Nikolaus geweiht, wahrzeichenhaft das Ortsbild.

Die aus zwei Bauphasen stammenden Gebäudeabschnitte weisen jeweils einen eigenständigen Charakter auf. Ältester Bauteil ist ein geosteter, zweiachsiger Saalbau, zuletzt 1781 restauriert, mit giebelseitigem Dachreiter, in dem die Nikolausglocke von 1684 ihren Platz hat. Dieser Kirchenteil wurde als Vorhalle, heute allerdings bestuhlt, und Empore in den 1926/27 nach den Plänen von Architekt Joseph Monz (Trier) geplanten Neubau einbezogen, der als dreischiffige Basilika mit niedrigen Seitenschiffen und einem Chorturm über die gesamte Breite der Südseite quer ansetzt.

Der Ursprungsbau ist als größere Kapelle ein Beispiel trierischer Bautradition und weist in der Giebelfront ein Portal mit Nischenaufsatz auf. In der Nische befindet sich eine aus hellem Ton gebrannte Nikolausstatue des 20. Jahrhunderts, geschaffen von Heinrich Feld aus Trier. In der Giebelfront eingemauert erkennt man einen noch nicht gedeuteten Wappenstein, der vermutlich einer vermögenden Trierer Bürgerfamilie zugeordnet werden muss.

Der vierachsige Neubau ist wie der Altbau durch rundbogige Fenster charakterisiert, wobei die rhythmische Verteilung im Hauptschiff und in den untergeordneten Seitenschiffen variiert. Der rechteckige Chorturm mit apsidialem Ausbau ist durch ein Krüppelwalmdach mit Dachreiter individuell akzentuiert. In diesem Chorturm hängen die drei Glocken von 1957.

Der kleine Dachreiter der alten Kapelle birgt eine kaum beachtete Kostbarkeit: die St. Nikolaus-Glocke von von 1684, gegossen von Mathias Crommel. Heute erklingt sie als Totenglocke.

Das sparsam mit Stuck versehene Tonnengewölbe des großräumigen neubarocken Inneren bezieht den Altbau ein.

Der Hochaltar, ein in Rokokodekor reich geschnitzter Tabernakelaltar mit Figuren der Heiligen Nikolaus (Kircatron), Simon und Thadhenpdäus (Nebenpatrone), dürfte der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert zugerechnet werden.

Im Chorraum befinden sich zwei kleine Figuren, rechts der Bekenner und Bischof Arnold (auf dem Sockel fälschlich als Heiliger ausgewiesen) und links die hl. Agatha (Zange/Palmzweig). Die drei großen Fenster sind Spenden der Bischöflichen Weingüter, die Weinbesitz in Kasel haben.

In der Chorbogenschräge ist rechts der hl. Nepomuk und links der hl, Bonifatius als barocke Figur plaziert.

In den Seitenschiffen finden sich ein barockes Kruzifix mit zwei Engelfiguren, ein Geschenk der ehemaligen Mutterkirche St. Laurentius Waldrach, und ein barockes Vortragekreuz. Das Taufbecken aus Holz stammt aus dem 2o. Jahrhundert und hat keinen besonderen künstlerischen Wert. Das Kopfende des rechten Seitenschiffes schmückt eine ausdrucksstarke barocke Figur des hl. Josef mit dem Jesuskind. Die im Stil des 2o. Jahrhunderts (1958) gemalten und von Kaseler Gläubigen gestifteten Kreuzwegbilder stammen von dem süddeutschen Kirchenmaler Karl Platzek.

Teile einer barocken Kommunionbank, die vor dem Vatikanum den Chorraum abschloss, fanden an der Emporenfront einen Platz. Der Orgelprospekt stellt sich zweigeteilt dar.

Im alten Kirchenteil haben sich außergewöhnlich qualitätsvolle barocke Gestühlwangen, die aus St. Matthias stammen, erhalten. Sie kamen aus der ehemaligen Mutterkirche St. Laurentius Waldrach nach Kasel. Zwei gestiftete Bilder (Gnadenbild aus St. Matthias / Herz Jesu) dienen der Volksfrömmigkeit.

Zur Ausstattung des Neubaus zählen die unverändert gebliebenen Farbglasfenster in den Seitenschiffen (Glasmalerei H. Maier, Bad Neuenahr), viel zu wenig beachtete kleine Kostbarkeiten der zwanziger Jahre des 2o. Jahrhunderts. Die großen Fenster des Hauptschiffes sind erneuert und modernisiert.

Im linken Seitenschiff befindet sich ein Marienaltar im barocken Stil und seitlich eine kleine Ikone des hl. Hermann Josef aus Steinfeld, 2006 im Kloster Burg Dinklage nach ostkirchlichen Regeln künstlerisch gestaltet.

In die äußeren Seitenschiffwände eingemauert sind Steingrabkreuze des 18. und 19. Jahrhunderts sowie eine Grabplatte mit Kelchrelief des ehemaligen Friedhofs. Der ummauerte Kirchenbereich bildet ein in sich geschlossenes, geschütztes Areal. Daran grenzt unterhalb das 1952 erbaute Pfarrhaus.