Datum: Donnerstag, 23. November 2017



Wie zwei steinerne Zeigefinger ragen sie in den tiefblauen Himmel, die beiden Türme der Kaseler Kirche, so als wollten sie dem Betrachter sagen: Geh nicht auf in den Sorgen dieser Welt ! Suche, was droben ist ! Leg dir einen Schatz an , dort wo ihn  keine irdischen Schädlinge zerstören können!

Die Kirche St. Nikolaus in Kasel sieht von außen aus wie eine Kirche aus zwei Kirchen. Innen ist der Raum zu einer harmonischen Einheit verschmolzen. Die Türme erzählen so auch von der Baugeschichte.

Am Anfang stand eine einfache Kapelle, die im 18. Jahrhundert zu einem barocken Kirchenraum erneuert wurde(1781 Benediktion, 1784 Fertigstellung). Der Bau war, wie die allermeisten Kirchen „geostet“, er hatte eine „Orientierung“ war also mit dem Altar in Richtung der aufgehenden Sonne hin gebaut. Das entspricht der Gebetsrichtung der Christen, die sich beim Gebet auf den auferstandenen und wiederkommenden Jesus Christus hin ausrichten, der durch die aufgehende Sonne symbolisiert wird.

Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts Kasel immer größer wurde, konnte der Bau einer größeren Kirche in Angriff genommen werden. Man beschloss die alte Kapelle nach Süden hin zu erweitern.
1926 wurde der Grundstein gelegt, und schon am 9. Dezember 1928 konnte Kirchweih gefeiert werden.
Die Türme dienen zunächst natürlich als Glockentürme. Sie überragen die Dächer der umliegenden Häuser, damit sich der Schall der Glocken im ganzen Ort vernehmbar machen kann.

Die älteste Glocke ist die kleinste: sie trägt den Namen des Pfarrpatrons St. Nikolaus, hängt im Turm der alten Kapelle und dient als Totenglocke. Sie muss  mit der Hand gezogen werden und verbreitet die Nachricht, wenn jemand aus der Pfarrgemeinde verstorben ist. Sie ist als einzige übrig geblieben, als in Deutschland 1941 alle Glocken mit Ausnahme immer der kleinsten von staatlicher Seite beschlagnahmt wurden, um sie zu Rüstungszwecken für den Krieg einzuschmelzen.

Die drei Bronzeglocken im großen Turm – sie heißen Marienglocke, Nikolausglocke und Donatusglocke – wurden 1957 in Saarburg gegossen und dann feierlich in Kasel begrüßt und gesegnet. Sie heißen jeden Samstagmittag um 17 Uhr den Sonntag willkommen. 30 Minuten und 15 Minuten vor Beginn eines Gottesdienstes rufen sie die Menschen zusammen. Frühmorgens um 6 Uhr, am Mittag um 12 Uhr und abends um 19 Uhr erinnern sie daran, innezuhalten und in einem  kurzen Gebet sich auf Gott auszurichten, ihm Raum zu geben im Alltag des eigenen Lebens.


R. Voderholzer