Datum: Sonntag, 19. November 2017

Katholische Pfarrkirche St. Cosmas und Damian in Gutweiler (1895)

Die PfarrkircheDie heutige im neugotischen Stil gehaltene Kirche wurde im Jahr 1895 von dem Trierer Architekten Eberhard Lamberty und Baumeister Peter Ambré aus Waldrach errichtet und 1898 eingeweiht. Der Grundstein vom 10. 6. 1895 ist in der Außenmauer eingelassen. Der schlichte Saalbau ersetzte die baufällig gewordene alte Kapelle.

Von der damaligen reichen Innenausstattung vermitteln heute nur noch die Kanzel mit den geschnitzten Reliefs der Evangelisten, die 1902 angeschaffte Orgel mit dem neugotischen Orgelgehäuse und die Kirchenbänke einen kleinen Eindruck.

Von der abgerissenen Vorgängerkapelle sind noch Reste des ursprünglichen Hauptaltares aus dem Jahr 1643 mit den Statuen der beiden Kirchenpatrone St. Cosmas und St. Damian aus dem Jahr 1827 und der Taufbrunnen erhalten. Letzterer steht heute in der Korlinger Kapelle und ist dort Teil des Altares.

Ein Teil des alten Hauptaltars steht auf einem neuen Unterbau aus Sandstein und bildet den Aufsatz des Sakramentsaltars. Er wurde vom damaligen Pfarrer der Kirche gestiftet und trägt eine lateinische Inschrift. Die Übersetzung lautet:

Johannes Binsfelt, Doktor der Theologie, der demütige Dekan aus dem Stift der Trierer Kirche des hl. Simeon, hat 1634 (diesen Altar) errichtet für den größten und besten Gott, zu Ehren der Jungfrau Maria und für die heiligen Märtyrer Cosmas und Damian.

In den letzten Jahren wurde die Pfarrkirche einer umfangreichen Innensanierung unterzogen, deren erfolgreichen Abschluss die Gemeinde im Jahr 2010 feiern konnte.

Quer zum Kirchenschiff wurde 1953 nach Plänen des Architekten Gerold Dietrich ein 22 m hoher Kirchturm errichtet, nachdem der ursprüngliche achteckige Turmaufsatz 1949 abgerissen werden musste. Der Turm bildet bis heute das Wahrzeichen des Ortes.


Patrone der Pfarrkirche sind die Heiligen Cosmas und Damian (Festtag 26.September), der Überlieferung nach zwei Brüder, die im Vorderen Orient unentgeltlich (Anargyroi) als Ärzte gewirkt und schließlich in der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian (284-305) den Martyrertod durch Enthaupten erlitten haben. Ihr Grab im syrischen Kyrrhos wurde sehr schnell zu einer Wallfahrtsstätte, ebenso die vielen ihnen geweihten Kirchen. Sie wurden besonders als Seuchenheilige angerufen und so entwickelte sich auch die Kirche in Gutweiler in Zeiten von Pest (17. u. 18.Jh.) und Cholera (19.Jh.) zu einem beliebten Wallfahrtsort. Der Besitz von St.Cosmas und St.Damian-Reliquien und die besondere Wasserqualität des am Ortsausgang gelegenen „Drei-Ärzte-Brunnens“ (Jesus, Cosmas und Damian) haben in der Wallfahrtstradition eine große Rolle gespielt.

In der jetzigen Pfarrkirche erinnert nichts mehr an ihre frühere Funktion als Wallfahrtskirche. Nur noch die Pilger aus Osann-Monzel, die ihren alten, zur Busfahrt umgewandelten Bittgang nach Gutweiler am ersten Montag im September beibehalten haben, machen die lange Wallfahrtstradition der Kirche noch ein wenig sichtbar.